Wintercross 11.12.2011


Mittlerweile befinde ich mich nach meiner Saisonpause bereits über zwei Monate im geregelten Training wieder. Jedoch beschränkten sich die Trainingsintensitäten (außer im Schwimmen) auf die Grundlagenausdauerbereiche 1 und Kraftausdauer.
Um beim Laufen mal einen anderen Trainingsreiz zu erlangen, fuhr ich heute morgen spontan  zum 6. Wintercrosslauf dieser Saison nach Goldbach.

Gegen kurz nach neun Uhr kam ich – für meine Verhältnisse noch sehr zeitig (- jeder der schon mal mit mir beim WK war, weiß von was ich spreche 😉  – am Ort des Geschehens an. Zügig holte ich mir meine Startberechtigung in Form einer Nummer, lief mich kurz ein und schon stand ich in meinem Trainingskostüm (Schlapperhose und Sweatshirt) in zweiter Reihe.

Von Beginn an ging ein ‚junger Hüpfer‘ (Patrik Fiederung) in Führung. Ich machte erstmal nicht mehr als hinterher laufen. Schon nach kurzer Zeit waren wir nur noch zu zweit unterwegs. Nach hinten weit und breit nichts von Verfolger zu sehen. Nach schnellen drei Kilometern spürte ich bereits einen erhöhten Laktatspiegel im Blut und zog das Register ‚Nicht weiter folgen!‘
Ich wollte nicht bei meiner ersten intensiven Einheit der Saison 2012 überziehen. Somit entstand eine Lücke zwischen Patrick und mir und ich dümpelte weiter zügig vor mich hin. Bis Kilometer 6,5 pendelte sich ein Abstand von ca. 20 Sekunden zwischen uns ein. Bei der letzten Schleife lief der Jungspund trotz Streckenmarkierung und -Schildern plötzlich gerade aus statt sich links einzuordnen (Wo waren seine Gedanken?). Etwas verdutzt lief ich weiter, bis mir irgendjemand an der Strecke zurief, dass sich wohl der bis dahin Führende verlaufe hätte. Mit einem komischen Gefühl lief ich mein Tempo weiter ohne dabei schneller zu werden.

Blicke nach hinten signalisierten mir, dass der Abstand jetzt sehr groß sein musste. Ich überlegte mir auf ihn zu warten und ihn gegebenenfalls kurz vor dem Ziel vorzulassen, aber weit und breit war keiner zu sehen. Zumal war ich mir unsicher, ob er überhaupt noch an zweiter Position ankommen würde. Mir gingen so viele Gedanken und Vergleich durch den Kopf (z. B. würde man auf jemanden im Zweikampf warten, wenn er plötzlich anhält um einen offenen Schuhsenkel zu binden? Steigt man beim Triathlon ab, wenn auf einmal der Konkurrent einen Platten hat und wechseln muss?)

Heute kam ich das erste Mal in eine Situation, wo für mich Fairness und (Leistung-)Sport eine widersprüchliche Situation entwickelte. Natürlich bin ich ohne jegliche Ambitionen zu einem Trainingslauf nach Goldbach gefahren und hätte kein Problem gehabt auch als 10. oder 20. ins Ziel zu laufen. ABER wann ist es sinnvoll ‚an sich zu denken‘ und weiterzumachen?
Ich hätte mir keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn ich Patrick hätte gewinnen lassen. Aber wäre es auch im Sinne des Sports gewesen? Wäre es im Sport überhaupt noch möglich einen Gewinner festzustellen, wenn wir glauben ein Anderer hätte den Sieg mehr verdient als man selbst? Gehört es nicht auch zum Sport nicht nur die beste Physis, sondern auch die passende Psyche zu haben? Es gibt so viele Fragen…

Wintercross 11.12.2011

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