Rabenschwarzer Tag in PE


Gut 17 Stunden sind vergangen, als ich mit größten Schmerzen ins Ziel eingelaufen bin.
Eigentlich könnte ich den ganzen Bericht mit zwei Worten beschreiben und abschließen ‚absolute Qual‘!
Aber um einen besseren Einblick in meinen Rennverlauf zu geben, werde ich ein paar Zeilen schreiben.

Den Tag konnte ich erholt und nicht zu müde um 3:45 Uhr beginnen. Das Feeling war gut und die Beine locker.
Um sieben Uhr erfolgte dann der Start. Das Schwimmen verlief ganz gut, bis auf die übliche Zick-Zack-Schwimmerei. Wobei ich dieses Mal das Gefühl hatte, dass ich nicht zu viel Umweg geschwommen bin.
Nach 57:XX entstieg ich dann das zweite Mal dem Meer und wechselte noch zufrieden aufs Rad. Klar hatte ich mit einer schnelleren Schwimmzeit gerechnet, aber Wellen, offenes Mehr und erstes Freiwasserschwimmen war es noch in Ordnung.
Beim Radfahren hatte ich eigentlich von Anfang an den nötigen Druck auf dem Pedal. Mein SRM zeigte Werte zwischen 250-280 Watt an. Am Berg natürlich etwas mehr, zumal hier in der ersten Runde der Gegenwindpart war. Obwohl ich die erste Runde mit über 240 Watt im Schnitt absolvierte, benötigte ich 1:37 h.
Bisher hatte ich auf Radstrecken wie Frankfurt, Roth oder letztes Jahr auf Hawaii immer ca. 220 Watt um die 5h Grenze zu knacken. Ob es am dem rauen Asphalt und der Ruckelpiste lag, – keine Ahnung.
Unbegreiflich, wie man auf so einer Strecke 4:19h fahren kann.
Nach der ersten Runde stellten sich dann langsam die Probleme bei mir ein. Ich bekam Muskelschmerzen auf meiner linken Körperseite, mir wurde übel, der Magen machte zu und mein Kopf dachte ans aufgeben.
Ab diesem Zeitpunkt drehte sich alles nur noch ums ‚Aussteigen‘. Eigentlich wollte ich die 2. 60 Kilometer gar nicht mehr zu Ende fahren, aber ich entschied mich doch dazu. Als ich wieder an der Wechselzone vorbeifuhr ging es mir eine Moment besser und ich sah Rudger Beke am Straßenrand mit seinem Rad sitzen. Irgendwie gab mir das erneute Motivation mich noch eine Runde weiter zu quälen, obwohl ich das Rennen sowieso beenden wollte. Dazu kamen noch Gedanken wie – Jetzt hast du dich durchs Schwimmen gekämpft und hast dich dort verbessert, quälst dich so sehr auf dem Rad ohne eine Splitzzeit zu bekommen- ???
NEIN, dachte ich mir und wollte wenigstens noch in die Wechselzone (T2) kommen. Dort angekommen durchlief ich das automatisierte Spiel, ohne mich dagegen wehren zu können.
Vom Rad runter, Wechselbeutel holen, ins Wechselzelt, Helm ab, Socken und Laufschuhe an, Brille auf und los.
In diesem Moment vergas ich trotz Schmerzen die Aufgabe und lief aus Wechselzone. Mir tat zwar immer noch alles weh, aber ich dachte an Hawaii, als ich mich nachdem Radfahren kaum bewegen konnte, weil mein Rücken so weh tat, sich das Problem aber nach ca. 10 Kilometer besserte und ich noch einen Marathon in 3:10h laufen konnte.
Also versuchte ich erneut noch das Beste aus der Situation zu machen. Die erste Runde ‚ging noch‘. Es fühlte sich noch nach Laufen an und meine Eltern konnten mir die nötige Motivation geben, da einige der Top-Profis das Rennen schon verlassen hatten.
Auf den Rückenwindpassagen empfand ich es als sehr heiß. Mit viel Wasser und Schwämmen versuchte ich mich etappenweise herunter zu kühlen.
Mit dem Zunehmen der Schmerzen -aber nicht der Beinmuskulatur, die war eigentlich bis auf die letzten 5 Kilometer des Marathons ok- dachte ich wieder ans Aussteigen. Es war bereits die 12 Langdistanz und nie hatte ich zuvor mit einer so großen Ansammlung von Problemen zu kämpfen. Ich wollte die Reißleine ziehen um meinem Körper nicht zu viel Schaden anzurichten. Gelitten hatte ich genug, dachte ich mir.
Wieder kam ich bei meinen Eltern vorbei und ich blieb das erste Mal stehen und berichtete ihnen von meinem Vorhaben. (Ich konnte nicht aufhören!) Eine weitere Gedankenflut überrolte mich:
– du hast dieses Jahr schon so viel in diese Vorbereitung investiert.
– deine Eltern sind extra nachgereist, um dich zu unterstützen
– wie hast du dich nach deinem DNF damals in Roth gefühlt?
– 7 h Schmerzen, ’nur noch‘ 1 1/2 Runden
Diese und weitere Gedanken erfüllten meinen Geist und ich lief eine weitere Schleife. Danach traf ich meine Eltern wieder und beschloss spätestens hier das Rennen auf jedenfall zu beenden. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir hundsmiserabel. Ich war phsychisch im Eimer, Muskulär mehr als angeknackst und energetisch nicht mehr zu retten. Trotzdem versuchte ich das System halbwegs am Laufen zu halten.
Das komische im gesamten Verlauf des Rennens, dass ich kaum besserplatzierte Athleten überholt habe und selten überholt wurde. Es war somit in zweierlei Hinsicht ein Rennen gegen mich selbst.
Ich weiß nicht wie ich die letzen vier Kilometer hinter mich gebracht habe, aber ich kam doch noch ins Ziel.
Dort erwarteten mich derartige Krämpfe, dass ich nicht mehr alleine gehen konnte. Es folgte eine medizinsche Untersuchung und heftiger Schüttelfrost. (Platzierung: 34 gesamt)
Was gibt es noch hinzuzufügen. Es war ein sehr sehr harter Tag, den ich nicht so beendet hätte, wenn die nötige Unterstützung von meinen Eltern gewesen wäre. Vielleicht hätte ich dann ein zweites DNF in meiner Vita stehen und ich würde heute noch geknickter UND vorallem die nächsten Tage und Wochen über dieses Rennen nachdenken. Somit bin ich doch zufrieden diesen Tag so beendet zu haben, auch wenn es mich wahrscheinlich wertvolle Körner meines weiteren Lebens gekostet hat.

DANKE an alle die mich geglaubt haben! Ich denke, ich schaffe es irgendwann mal mein Können richtig unter Beweis zu stellen! DANKE!

(ich bitte von Rechtschreib- oder Grammatikfehler abzusehen, da ich mir nicht nochmal alles durchlesen möchte 😉 )

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